Große Erwartungen waren mit der Vorführung des neuen Films von Darren Aronofsky, “Black Swan” (USA 2010), verbunden. Nach Venedig und London war es erst die dritte Festivalpremiere überhaupt und man war gespannt auf einen glänzenden Auftritt von Weltstar Natalie Portmann als Primaballerina. Aber auch in Hof ist eben nicht alles Gold, was glänzt, der Film enttäuschte um so mehr, als im Vorfeld die Promotion-Maschinerie so viel Gutes lanciert hatte. Während der Vorstellung wurde sogar – in Hof eher ungewöhnlich – mit Infrarot-Kameras gecheckt, ob nicht irgendjemand heimlich eine Raubkopie macht. Das ist kein Kavaliersdelikt, schon klar, aber die Sorge war hier überflüssig, zumal der Film gar nicht das Zeug zu einem richtigen Welterfolg hat.
Natürlich ist Natalie Portman immer schön anzuschauen, vor allem bei den vielen Großaufnahmen, die der Film bietet, und ihre tänzerische Leistung verdient jeden Respekt. Aber wie so oft bei amerikanischen Großproduktionen: Wenn es psychologisch wird, wird es banal und infantil. Ehrgeizige Mutter (Barbara Hershey) treibt ihre überbehütete, zur Selbstverletzung neigende Tochter Nina an, in der neuen “Schwanensee”-Choreografie als Primaballerina um die Rolle der Schwanenkönigin zu kämpfen. Der ebenso charismatische wie rücksichtlose Balletdirektor (Vincent Cassel) sieht Ninas Potential, aber damit sie nicht nur den weißen, sondern auch den schwarzen Schwan richtig tanzen kann, muss das schüchterne, prüde Muttertöchterchen erst einmal ihre eigenen Abgründe entdecken – also die Sexualität und wieder einmal das damit verbundene Böse. Freud für Anfänger eben.
Dann steigert sich der Film zu eine Art Psycho-Horror-Thriller mit ziemlich schlichten Schockeffekten, Wahn und Wirklichkeit vermischen sich für Nina bis zur Ununterscheidbarkeit. Von da an aber betritt Aronofsky ein Feld, in dem immer noch Polanskis “Rosemary’s Baby” von 1968 den Maßstab setzt, er kann also nur noch mehr verlieren.
Trotz der hochkarätigen Schauspielerriege und der guten Idee wird der Film mit dieser kruden Mischung aus Küchenpsychologie und Horror bei uns nicht wirklich punkten, unabhängig davon, ob wegen Natalie Portman und der “Schwanensee”-Thematik nicht doch die Leute ins Kino gehen. Man kann sich eigentlich nur wundern, dass ausgerechnet Natalie Portman diese Rolle angenommen hat, schließlich hat sie doch einen Harvard-Bachelor in Psychologie. Womöglich sagt das ja auch etwas über die Bachelor-Ausbildung an amerikanischen Eliteuniversitäten aus.
Als Psychothriller zu naiv und durchschaubar ist “Black Swan” in seiner spekulativen Machart aber auch als Balletfilm nicht gerade empfehlenswert. Der ein oder andere Schwanensee-Liebhaber könnte sich dann doch zu sehr erschrecken.
Ansonsten neigen sich die Filmtage so langsam dem Ende entgegen. Enttäuschungen gehören eben dazu, aber “Poll” von Chris Kraus wurde, wie zu erwarten war, bei der Hauptpremiere von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen (vgl. den Blog-Eintrag zu “Poll”). Neben “Carlos” zweifellos das Festival-Highlight.





